Studiengebühren – sie kamen, sie sahen, sie wurden verteufelt

Bis vor wenigen Jahren war ein Gang über den Campus einer Universität kaum möglich ohne auf das unter Studenten wohl meist verteufelte Wort zu treffen: Studiengebühren. Ein Betrag der zusätzlich zum Semesterbeitrag halbjährlich an die Universität gezahlt wird. Seit der Einführung der Studiengebühren 2005 geht der Begriff einher mit dem deutschlandweiten Studiengebühren Boykott und genereller Abneigung unter den Studierenden, die nun nicht mehr kostenlos studieren konnten/können.

Geschichte der Studiengebühren in Deutschland

Studiengebühren in Deutschland abgeschafft

Studiengebühren wurden ungefähr 7 Jahre lang großflächig in Deutschland erhoben (c) Peter von Bechen / pixelio.de

Studiengebühren sind deutlich vom Semesterbeitrag zu trennen, da sie lediglich als Mittel an die Universität gezahlt werden, um im Idealfall die Studienbedingungen zu verbessern. Sie beinhalten also keinerlei organisatorische Ausgaben und Kostenpunkte, wie zum Beispiel ein Semesterticket für den öffentlichen Nahverkehr und ähnliches. Vom Marketing bis zum Hotelmanagement studieren, dem Bachelor of Arts bis zum Diplom – jeder immatrikulierte Student war zu diesem Beitrag verpflichtet.

Änderung des Hochschulrahmengesetzes für Studiengebühren

Bereits bis 1970 existierten sogenannte Hörergelder, die durch erfolgreichen Boykott abgeschafft wurden und die Macht der Demokratie heute bewiesen. Im Jahre 2002 jedoch klagten einige Länder gegen das Hochschulrahmengesetz, im Speziellen dessen Studiengebühren Verbot, und beklagten sich über den Eingriff dieses Bundesgesetzes in Kompetenzen der Länder. Am 26. Januar 2005 stimmte das Bundesverfassungsgericht dieser Klage zu und ebnete den Weg für die bundesweite Einführung der Gebühren.

Einzig die ostdeutschen Bundesländer weigerten sich, die Gebühren an den Universitäten einzuführen. Dennoch waren rund 70% aller deutscher Studenten, und 90% der Studierenden im Westen Deutschlands von Studiengebühren direkt betroffen.

Schrittweise Abschaffung der Studiengebühren

Selbstverständlich war die Kritik an Studiengebühren unter den Studierenden groß und beinahe wöchentlich wurde zu neuen Studiengebühren Boykotts aufgerufen, die vergleichsweise schnell durch politische Veränderungen auf Landesebene Gehör fanden. Bis zum Wintersemester 2012/13 hatten bereits alle Länder, bis auf Niedersachsen und Bayern, die Gebühren wieder abgeschafft. Wichtigster Faktor für die Abschaffung von Studiengebühren war zumeist ein Regierungswechsel. Die beiden letzten Länder befinden sich aufgrund von eben diesem Regierungswechsel und einem Volksbegehren auf dem Weg zur Abschaffung.

Auswirkungen der Studiengebühren

Studiengebühren wieder abgeschafft

Als letzte Länder halten Niedersachsen und Bayern an den Studiengebühren fest (c) Thomas Kölsch / pixelio.de

Studiengebühren sind ein nicht zu unterschätzender finanzieller Faktor für Studierende, die bereits mit eventuellen Mietzahlungen, dem Semesterbeitrag und Lernmaterialien belastet werden und durch Hausarbeiten und Nachbearbeitungen nur begrenzt Zeit haben für einen Nebenjob. Selbstverständlich hat die Einführung dementsprechende Auswirkungen gehabt. In nahezu allen Bundesländern mit Studiengebühren, ging die Studierendenzahl um bis zu 7% zurück, während sie in den Ostländern merklich anstieg.

Mit der Abschaffung ist jedoch auch in den westlichen Bundesländern eine Besserung dieser Fakten zu spüren. Die vergleichsweise kurze Dauer der Studiengebühren in Deutschland hat also nur einige Studierenden-Generationen aktiv betroffen. Auch gesellschaftlich haben die Studiengebühren ihren Eindruck hinterlassen, zählt nicht zu letzt auch das Wort „Bezahlstudium“ in die Rangliste zum Wort des Jahres 2006.

1 Kommentar

  1. Nicht zuletzt haben sich in der Vergangenheit viele Menschen gegen ein Studium entscheiden, weil die finanzielle Belastung einfach zu groß ist. Durch Abschaffung der Studiengebühren hat nun jeder die gleichen Möglichkeiten, auch diejeningen, denen die finanziellen Mitteln nicht in dieser Form zur Verfügung standen.

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