Forderungen der BesetzerInnen
Die Forderungen des Plenums der Besetzerinnen und Besetzer
der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule Nürnberg
Die Forderungen richten sich an die Hochschule, die Stadt Nürnberg, die Staatsregierung und insbe-sondere an Minister Heubisch selbst.
Die Reihung der Forderung leitet sich nicht aus einer für uns bestehenden Wichtigkeit, sondern aus unserem Bestreben diese als logische Themenschwerpunkte zusammenzufassen.
Forderungen für Studierende:
Forderungen an die Hochschule:
- Wir fordern das Ende der Verschulung der Studiengänge sowie die generelle Abschaffung der Präsenzpflicht
Dies beinhaltet:
- Alternative Lehrmethoden zum Frontalunterricht
- Alternative Leistungsnachweise zu schriftlichen Prüfungen
- Geringere Prüfungsdichte
- Kleinere Seminargruppen und die Schaffung der dafür notwendigen Räumlichkeiten
- Entzerrung der Modularisierung, um das Studium nach den individuellen Interessen gestalten zu können
- Mehr Freiheit bei der Wahl von Wahlpflichtfächern
- Wir fordern die unverzügliche Schaffung von Teilzeitstudiengängen um die Vereinbarkeit von Familie und Studium zu ermöglichen.
Dies beinhaltet:
- Ausbau der Kapazitäten von Initiativen wie beispielsweise dem „milliOhm“
- Familienfreundliche Vorlesungszeiten
- Wir fordern die Abschaffung von Eignungsfeststellungstests, da fachspezifische Grundfähigkeiten nicht in allen Schulen in ausreichendem Maße gefördert werden und daher nicht Voraussetzung für den Beginn eines Studiums sein dürfen.
- Wir fordern die Einführung bzw. Förderung eigenständiger akademischer Forschungstätigkeiten von Studierenden im Rahmen eines Bachelorstudiums.
Dazu fordern wir:
- Die Bereitstellung finanzieller Mittel für freiwillige, studentische Forschung ohne ausschließliche Orientierung an primär wirtschaftlichen Interessen.
- Die Anrechnung studentischer Forschung in ECTS-Punkten und die dafür notwendige Änderung der Studienordnung.
- Wir fordern die volle Ausschöpfung der 30%-Quote an Masterstudienplätzen.
- Wir fordern, sowohl von der Hochschulleitung als auch vom Hochschulrat die Überarbeitung der Grundordnung, um in allen Gremien, in denen es das Verfassungsgerichtsurteil zulässt, die Drit-telparität einzuführen. Die Interessen der Studierenden als größte Mitgliedergruppe müssen an-gemessen vertreten werden können.
- Wir fordern vom Senat ein Ende der Beteiligung der Hochschule an Rankings im Hochschulsektor und die damit einhergehende einseitige Auslegung auf Wettbewerbsfähigkeit.
- Wir fordern die sofortige Absenkung der Studiengebühren an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften – Fachhochschule Nürnberg auf das gesetzliche Minimum von 100,- Euro pro Semester.
- Wir fordern des Weiteren die Abschaffung sämtlicher Repressionsgebühren, welche nicht im Zusammenhang mit dem Bibliotheksbetrieb stehen.
Darunter fallen vor allem:
- Kosten für die Ausstellung eines Notenspiegels
- Bewerbungsgebühren für Nicht-EU-Ausländer/innen
Forderungen an den Bund, den Freistaat Bayern und deren Institutionen:
- Wir fordern die Abschaffung des Numerus Clausus, der bei seiner Einführung als Übergangslösung gedacht war. Außerdem fordern wir die Abschaffung aller anderen Zulassungsbeschränkungen bei allen Studiengängen.
Dazu fordern wir:
- Mehr Professuren, um das Betreuungsverhältnis zu verbessern und mehr Lehrkapazitäten zu ermöglichen.
- Die Erleichterung eines Hochschulwechsels, durch die volle Anrechnung der Studienleistungen, welche an einer vorher bzw. zwischenzeitlich (z.B. im Rahmen eines Auslandssemesters) besuchten Hochschule abgelegt wurden.
- Ein besseres Betreuungsverhältnis, das innerhalb der Lehrveranstaltungen ausreichend Zeit zur anwendungsbezogenen Erarbeitung deren Inhalts bietet, um umfassende Allgemeinbildung und nicht lediglich abfragbares Lexikonwissen um der Prüfung willen anzuhäufen.
Auch dazu benötigen wir mehr Professuren.
- Den uneingeschränkten Zugang sowie ein ausreichendes Kontingent an Masterstudienplätzen für alle Studierenden, die bereits ein Bachelorstudium erfolgreich beendet haben. Dazu fordern wir die Einführung des Masters als Regelabschluss.
- Die Wiedereinführung der Verfassten Studierendenschaften in Bayern mit Satzungsautonomie, Beitragshoheit und politischem Mandat.
- Eine Unabhängigkeit von den Finanzmitteln und Interessen der, der Hochschule nicht angehören-der, Dritter. Dazu gehört die Rückstufung des Hochschulrats auf ein ausschließlich beratendes Gremium.
- Wir fordern eine grundsätzliche Abschaffung aller Bildungsgebühren, insbesondere der Studien-gebühren. Dazu benötigen wir eine unverzügliche Aufstockung der Hochschulfinanzierung um 250.000.000 Euro um den Ausfall der finanziellen Mittel durch die Abschaffung der Studienge-bühren zu kompensieren.
- Wir fordern den Ausbau der Personalgruppen der Dozentinnen und Dozenten. Weiterhin fordern wir eine gerechte Bezahlung für alle abhängig beschäftigten Hochschulmitglieder sowie externer Dienstleistungsunternehmen. Zudem unterstützen wir die Forderungen der studentischen Tarif-initiative.
- Die Beendigung der sogenannten „Exzellenzinitiative“ und die Einstellung der damit verbunden-en Sonderförderungen einzelner Hochschulen. Stattdessen fordern wir vom Freistaat Bayern eine optimale Finanzierung aller Hochschulen.
- Eine eltern- und altersunabhängige BAföG-Förderung, welche über den gesamten Studienzeit-raum gewährleistet bleiben muss und weder durch einen unterschiedlich schnellen Studienfort-schritt, noch durch einen Studiengangwechsel beeinträchtigt werden darf. Weiterhin muss ge-währleistet sein, dass alle BAföG-Berechtigten das erhaltene Fördergeld nicht zurückzahlen müs-sen. Ausgehend von einer Erhebung des Studentenwerks fordern wir zudem die Erhöhung des BAföG-Höchstsatzes auf einen Betrag von 770,- Euro im Monat und die daraus folgende Anpas-sung der restlichen BAföG-Sätze.
Forderung an die Stadt Nürnberg:
- Die Einführung eines Sozialtickets, entsprechend der Forderungen der Initiative „Bündnis Sozialticket“.
Die Forderungen der Auszubildenden und PraktikantInnen
Die Forderungen der Auszubildenden und PraktikantInnen richten sich an die Bundesregierung. Sie wurden nicht nach der Wichtigkeit sortiert, sondern es wurde versucht eine logische Überleitung zwischen den Forderungen herzustellen.
Vergütung von Praktika u. die Verbesserung der Situation von PraktikantInnen
- Wir fordern die gesetzliche Verankerung, dass SchulpraktikantInnen keine Überstunden machen dürfen. Da SchulpraktikantInnen nicht bezahlt werden, sollen sie durch ein Praktikum nicht ausgebeutet und als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden.
- SchulpraktikantInnen erhalten in den ersten zwei Wochen zumindest eine Aufwandsentschädigung vom/von der ArbeitgeberIn. Dies soll ihnen die Möglichkeit bieten sich unabhängig vom Wohnort eine Stelle zu suchen, für die sich PraktikantInnen auch wirklich interessieren.
- Alle anderen PraktikantInnen, die länger als 2 Wochen beschäftigt sind, bekommen von Anfang an nicht weniger als den Mindestlohn von 7,50€. Innerhalb von zwei Wochen sind PraktikantInnen nützliche Hilfen, die für einfache Arbeiten eingelernt sind. Für diese Arbeiten verdienen auch sie ein Entgelt, das es ihnen ermöglicht einen Lebensunterhalt zu bestreiten.
- PraktikantInnen, die über 18 Jahre alt sind, müssen Überstunden vergütet bekommen.
Die Verbesserung der Berufsausbildung
- Wir fordern für Azubis, die sich in einer betrieblichen Ausbildung befinden, einen Mindestlohn von 7,50€. Dies ermöglicht jedem/r Auszubildenden einen existenzsichernden Lebensunterhalt unabhängig von den Eltern und führt zu einer Wertschätzung der Arbeitskraft von Lehrlingen.
- Für schulische Ausbildungen gilt ein alters- und elternunabhängiges voll finanziertes BAföG. Da eine schulische Ausbildung nicht die Möglichkeit bietet neben der 40-stündigen Ausbildung einen Nebenjob auszuüben, benötigen sie ebenso wie Azubis, die eine betriebliche Ausbildung absolvieren, einen Unterhalt der ihnen ein eigenständiges Leben ermöglicht.
- Das bedeutet auch eine Lehrmittelfreiheit für sämtliche Ausbildungsberufe, genauso wie eine gebührenfreie schulische Berufsausbildung.
- Um alle Betriebe in die Pflicht zu nehmen, fordern wir eine gesetzliche Umlagefinanzierung so wie sie von verschiedenen Gewerkschaften schon lange vorgeschlagen wird. Das bedeutet, dass Betriebe, die nicht ausbilden, in einen gemeinsamen Topf einzahlen, der dann den Betrieben zu Gute kommt, welche Auszubildende beschäftigen.
- Außerdem fordern wir eine gesetzlich unbefristete, ausbildungsgerechte und wohnortnahe Übernahme in Vollzeit von Auszubildenden.
Forderungen der SchülerInnen
Wir fordern für die Schülerinnen und Schüler, insbesondere die Abschaffung des G8/R6, als Alternative die Einführung einer Gesamtschule und ein bundeseinheitliches Bildungssystem mit gleichen Abschlüssen.
Die Forderungen wurden im Vorfeld in einem Arbeitskreis durch SchülerInnen eigenständig entwickelt. Langfristig spricht sich das Plenum für eine Schule für alle aus und gegen die Selektion im mehrstufigen bayerischen Schulsystem. Ziel soll ein gemeinsames und solidarisches Lernen sein. Für die späteren Klassenzüge sprechen sich die Besetzerinnen und Besetzer für eine selbstbestimmte Wahl der Fachrichtungen aus und einen stärkeren Praxisbezug mit der Möglichkeit fachspezifischer Abschlüsse.
Gefordert wird auch eine Personalumstrukturierung, also mehr Lehrerinnen und Lehrer, Psycho-loginnen und Psychologen sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an allen Schularten mit dem Ziel deutlich kleinerer Klassenstärken und verbesserter Qualität. Eine weitere Forderung ist die nach kostenlosen und ausreichenden Hortplätzen für alle Kinder, inklusive warmen Mittagessen. Grundsätzlich spricht sich das Plenum der besetzten GSO-Fachhochschule für mehr Mitbestimmung der SchülerInnen, also eine grundlegende Demokratisierung, verbunden mit weniger Leistungsdruck aus.
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Forderungen als PDF:
_Forderungen_
Die dazu gehörige Stellungnahme der Hochschulleitung als PDF:
Stellungnahme der Hochschulleitung

