Stellungnahme der Besetzerinnen und Besetzer der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg
an die Hochschulleitung, alle Direktoren von Schulen, Ausbilder und Verantwortliche für Bildung auf Landes- bzw. Bundesebene
Seit 17.11.09 hielten Studierende, SchülerInnen und Auszubildende den Audimax sowie den Theatersaal und das Foyer im Gebäude der Bahnhofstraße der Georg-Simon-Ohm Hochschule besetzt. Nach einem Monat ist es nun Zeit, ein Resümee zu ziehen:
In den letzten vier Wochen haben wir Forderungen für alle Interessengruppen erstellt um das bestehende Bildungssystem zu verbessern, freier und in unserem Sinne zu gestalten. Wir haben in mühevollen Stunden, Tagen und Wochen diskutiert und im Rahmen der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Menschen sehr viel gelernt.
Uns ist bewusst, dass die ersten Tage nicht reibungslos abgelaufen sind. Aber das liegt wohl in der Natur der Sache. Auch Selbstbestimmung will gelernt sein und dieser Freiraum findet unter den jetzigen Lernbedingungen keinen Platz. So hat das gemeinsame Aufstellen und Durchsetzen der Hausregeln zwar anfangs viel Zeit beansprucht, lief aber im weiteren Verlauf umso besser. Zudem haben die Besetzerinnen und Besetzer ihren KritikerInnen, insbesondere den Studierenden Raum gegeben, ihre Kritik zu äußern, um anschließend gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, die alle zufrieden stellen. Leider wurde dieses Vorhaben teilweise von den Lehrenden der Hochschule, insbesondere der Fakultät Betriebswirtschaft blockiert.
Auch inhaltlich konnten wir unseren Raum selbst gestalten und haben dies bestmöglich genutzt. Zusätzlich zu den Diskussionen, die in der Cafete und im Plenum kontinuierlich stattfanden, luden wir auch externe ReferentInnen ein um verschiedene Themenbereiche zu vertiefen. So wurden inhaltliche Inputs zum Bologna Prozess, zu den Bildungsprotesten in anderen Ländern und zu gesamtgesellschaftlichen Themen, wie der Finanzkrise, gegeben. Dass es uns an keiner Stelle um die Verweigerung von Bildung und Wissen ging, haben wir auch damit klar gezeigt.
Durch die Solidarität, die uns von verschiedenen Seiten entgegen gebracht wurde, konnten wir ein breites Netzwerk aufbauen. Doch nicht nur die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, NGOs und anderen Gruppen war wichtiger Bestandteil der Besetzung. Vielen Studierenden der Hochschule wurde durch die Besetzung nicht nur die Einbindung in Strukturen ermöglicht, sondern auch schlicht das Kennenlernen von KommilitonInnen und das Erschließen neuer Freundschaften. Hierbei war die Cafete einerseits ein wichtiger Raum für die Kommunikation untereinander und andererseits diente sie als unkommerzielle Variante zur Kabine. Menschen mit kleinem Geldbeutel wurden so weder vom sozialen Miteinander noch vom Lebensmittelkonsum ausgeschlossen. Da wir diese Aspekte als äußerst wichtig erachten, treten wir für die Beibehaltung der Cafete auch nach der Besetzung ein.
Die Streikenden haben beschlossen, der Besetzung ab 17.12.09 vorerst eine Pause einzuräumen. Dabei betonen wir, dass wir weiterhin hinter den aufgestellten Forderungen stehen und deren schnellstmögliche Umsetzung fordern. Die Pause der Besetzung soll daher von allen Verantwortlichen dazu genutzt werden, die Forderungen in den zuständigen Gremien zu diskutieren und zu beschließen. Die Besetzerinnen und Besetzer werden dies mit großem Interesse verfolgen.
Abschließend ist zu bemerken, dass das Ende dieser Besetzung nicht das Ende der Protestbewegung bedeutet. Im Rahmen dieser Besetzung wurden die bereits bestehenden Netzwerke noch weiter ausgebaut und gefestigt. Diese Netzwerke werden auch dazu genutzt werden, weitere wöchentliche Treffen zu organisieren, um zum Einen die Netzwerke weiter auszubauen und auch die inhaltliche Arbeit fortzusetzen.
Sollten wir also feststellen, dass die Verantwortlichen versuchen, sich aus der Affäre zu ziehen und sich nicht mehr um die Umsetzung der Forderungen bemühen, so werden wir die Netzwerke nutzen, um weitere Protestaktionen zu starten.








